Coffeehouse

(Women’s Coffeehouse / Gay Coffeehouse)

Kein anderes Format war öfter bei Piazza virtuale im Programm als „Coffeehouse“. Die Sendung kam dem Konzept des „selbstgenerierenden Programms“, das Piazza virtuale zugrunde lag, am nächsten, da sich die Zuschauer durch Anrufe, Faxe oder per Mailbox einbringen konnten. Wie in einem Wiener Kaffeehaus sollte eine informelle Gesprächssituation mit Zufallsbekanntschaften erzeugt werden.
Diese Sendungen waren es, die Pizza virtuale den spöttischen Spitznamen „Hallo TV“ einbrachten. Viele Anrufer meldeten sich mit „Hallo“. Manche von ihnen waren so überrascht oder erschrocken, dass sie im Fernsehen waren, dass sie gleich wieder auflegten. Die, die in der Leitung blieben, hatten nur fünf Minuten Zeit, mit anderen Anrufern ein Gesprächsthema zu finden, bevor ihre Verbindung zugunsten neuer Anrufer abgebrochen wurde. Eine Mitarbeiterin von 3Sat achtete darauf, dass keine Beleidigungen, politischer Extremismus, Werbung oder Pornographie ins Programm kamen, eine Praktik, die bei den Sozialen Medien der Gegenwart als „Content Moderation“ bekannt ist, bei Van Gogh TV jedoch noch schlicht als „Zensur“ bezeichnet wurde.
In den Sendungen, die über den Fernsehsatelliten Olympus ausgestrahlt wurden, gab es keine Längenbegrenzungen und so kamen dort öfter ausführlichere und persönliche Gespräche zustande. Eine Gruppe regelmäßiger Anrufer kam schließlich sogar nach Kassel, um die Macher von Van Gogh TV und einander persönlich kennenzulernen – ein Beispiel für eine „virtuelle Gemeinschaft“, die sich als Resultat der Sendung entwickelte.