Interview mit Christian Wolff, 22.05.2018

Interviewer: Dann bedanke ich mich noch mal recht herzlich für die Bereitschaft, mit uns zu sprechen. Das ist unser erstes Skype-Interview. Also wir sind so ein bisschen im Experimentalstadium. Mal gucken, was dabei rauskommt. Also wir machen das…

Christian Wolff: Ja, gerne.

Interviewer: …immer so, dass der Teilnehmer oder der Gesprächspartner sich erst mal selbst kurz vorstellt und sagt, was für eine Rolle er bei Van Gogh TV gehabt hat. Und damit würden wir auch … Wollen wir uns duzen oder „Sie“?

Christian Wolff: Ja, können wir gerne.

Interviewer: Gut. Okay. Also damit würden wir dann auch bei dir erst mal anfangen. Also wer bist du und was hast du bei Van Gogh TV gemacht?

Christian Wolff: Ja, ich bin Christian Wolff. Ich habe bei Van Gogh TV, bei Piazza virtuale, viel von dem Code geschrieben, also Programmierer, aber auch einiges an Elektronik zusammengebastelt, unter anderem Telefon-Interfaces und Ähnliches. Und auch das Serial-Netzwerk, das wir da zwischen den Computern aufgebaut haben.

Interviewer: Welchen Teil von dem, was du gemacht hast, hat der Zuschauer gesehen? Es hat ja diese Module gegeben, wo man zusammen Musik gemacht hat oder zusammen malen konnte beispielsweise. Hattest du mit diesen Modulen was zu tun?

Christian Wolff: Ja, also in gewisser Weise eigentlich mit allen. Weil, wann immer der Zuschauer seine … die Telefontasten auf dem Bildschirm gesehen hat, das war, weil ich eben die Tastenfolge erkannt habe und über das Netzwerk an alle anderen Computer geschickt habe, die dann entsprechend einen Ton gespielt haben oder eine Bildaktion gemacht haben. Und genauso mit dem Chat, dass Leute da per Modem anrufen konnten und was tippen konnten, und das dann auf dem Bildschirm erschien.

Interviewer: Das waren ja für damalige Verhältnisse sehr Pionier… also richtige Pionierleistungen. Was hat dich dazu qualifiziert, so was zu machen?

Christian Wolff: Ich hatte doch während meiner Zeit, als ich Abitur gemacht habe, in Göttingen, ein Mailboxsystem aufgebaut. Das war also quasi ein Computer, der rund um die Uhr an dem Modem am Telefonnetz hing, wo Leute mit ihrem Computer per Modem anrufen konnten und Nachrichten für einander hinterlassen konnten. Also das war quasi dieser Vorläufer von E-Mail. Das war ja alles noch lange vorm Internet. Und, ja, also ich hatte einfach schon sehr lange Erfahrung mit Computern. Ich habe mit etwa acht Jahren angefangen mit Elektronik und dann mit etwa 13 Jahren mit Programmieren und habe eigentlich das so mein ganzes Leben lang gemacht.

Interviewer: Und gerade diese Mailboxen, das war ja für viele in einer bestimmten Generation so der erste Schritt in, so den Cyberspace, wie man damals sagte. Kannst du ein bisschen beschreiben, was dich daran so fasziniert hat oder was so deine Wahrnehmung dieser neuen, sich entwickelnden Online-Kultur war?

Christian Wolff: Ja, das war einfach so, das war ein neues Kommunikationsmedium, das eben sehr dezentral war, wo eben wirklich die Leute miteinander kommuniziert haben und nicht … Es war nicht eine Eins-zu-eins-Kommunikation, wir waren ja im Telefonat, aber es war auch kein Massenmedium wie Fernsehen oder Ähnliches. Sondern es war was, wo wirklich einfache Leute miteinander in einer Art von Forum miteinander kommunizieren konnten. Ja, und das war einfach was, was mich fasziniert hatte.

Interviewer: Das hatte ja für viele auch so eine richtige Medien-Utopie dann ausgelöst, dass das auch gesellschaftliche Relevanz haben könnte, das so eine direkte Form der Demokratie möglich wäre. Hast du auch solche Ideen gehabt, als du mit diesem Medium in Berührung gekommen bist?

Christian Wolff: Ja, selbstverständlich. Das war ja so eines der hauptphilosophischen Merkmale von diesen neuen Medien, eben, dass es diese Sorte von Grassroots-Kommunikation gab. Und das war ja auch das Konzept hinter den meisten Van-Gogh-TV-Sachen. Und ich kam ja eigentlich aus einer ganz anderen Ecke. Ursprünglich war ich beim Chaos Computer Club und hatte darüber dann den Künstler (Padolon?) in Bielefeld kennengelernt. Und über den hatte ich dann Kontakt zu den Ponton-Van-Gogh-TV-Leuten bekommen. Die hatten mal irgendwie eine Piraten-Radio-Aktion gemacht, Ende der 80er, wo ich mit Padolon hingefahren bin. Das war während einer Kunstaktion. Und dann 1989 hatte ich dann die erste Van-Gogh-TV-Sendung auf 3Sat gesehen von der Ars Electronica in Linz.

Interviewer: Hotel Pompino?

Christian Wolff: Nein, das war noch das Jahr davor. Da hatten die schon mal was gemacht, aber nur für irgendwie drei Tage oder so, also sehr viel kürzer als … irgendwie viel weniger Aufwand als „Hotel Pompino“. Und das war aber auch schon so, dass sie da Leute hatten anrufen lassen und dann das mit ins Programm genommen haben. Und dadurch quasi dann diesen Rückkanal aufgebaut haben vom Zuschauer übers Fernsehen zu allen anderen Zuschauern und dadurch das eben auch ein mehr demokratisiertes Medium wurde. Und dann 1990, zu „Hotel Pompino“ habe ich dann ein paar Kästen mit Equipment vollgepackt, habe das auf eine Sackkarre geladen und habe mich in den Zug gesetzt und bin dann nach Österreich gefahren und bin da einfach mal aufgelaufen. Und da habe ich dann Benjamin kennengelernt und der hat mich dann gleich da eingespannt. Ich habe mich dann da um den Chat gekümmert bei „Hotel Pompino“. Das war also alles eine sehr spontane Aktion. Und quasi von da an war ich dann eben bei Van Gogh TV als Mitarbeiter dabei.

Interviewer: Also du warst gar nicht eingeladen, sondern du bist einfach auf Verdacht hingefahren.

Christian Wolff: Ja, genau.

Interviewer: Um noch mal auf die … Also ich hoffe, ich trete dir jetzt nicht zu nahe, aber ich höre bei dir irgendwie noch einen sächsischen Unterton raus? Ist das richtig?

Christian Wolff: Nein.

Interviewer: Gut. Also dann … (unv.)

Christian Wolff: (lacht) Nein. Ich bin aus Niedersachsen … und …

Interviewer: Okay, sorry. Tut mir leid, wenn das … (unv.)

Christian Wolff: Zu der Zeit habe ich Göttingen gelebt.

Interviewer: Gut. So hast du Van Gogh TV kennengelernt. Benjamin war ja da auch schon so ein bisschen der Techniker. Dann gab es Mike und Karel, die eigentlich mehr so aus der Performance-Kunst kamen, die ja zum Teil auch durchaus aggressive Züge hatte oder so … (unv.) …

Christian Wolff: Ja, die hatten ja das … Minus-Delta-T-Projekt gemacht … davor.

Interviewer: Genau. … Genau. Wie kam dir das, also war dir das sympathisch gegenüber dem … (unv.)?

Christian Wolff: Ja. … Ich meine, das war eben in den 80er Jahren. Da war viel so Performance-Kunst und so wirklich so mehr so bisschen die Richtung Punkrock, Kunstbewegung und solche Sachen. Das hat mich damals schon auch sehr interessiert. Und, ja, das war einfach so auch die Kombination, die mich dann auch sehr fasziniert hatte an Van Gogh TV, dass es eben dieses Aktionskunst-Element gab und dann aber auch dieses demokratisierte Kommunikationsmedium.

Interviewer: Das ist ja eine ungewöhnliche Kombination, dass man sich einerseits so für Technik interessiert und andererseits aber auch für bildende Kunst. Das war richtig auch so Avantgarde-Kunst, nicht irgendein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Hat das bei dir auch eine biografische Anlage irgendwo gegeben zu dieser Kombination? Kommt das (aus dem Elternhaus?)?

Christian Wolff: Eigentlich mit Kunst, eigentlich, das hat sich bei mir alles von selbst irgendwie entwickelt. Also ich hatte eben, wie gesagt, sehr früh mit Elektronik und Computern angefangen und hatte dann, als ich mal in Hamburg war, eine der ersten Ausgaben der „Datenschleudern“ gefunden und darüber dann ein bisschen Zugriff gekriegt auf eben Chaos Computer Club und die (20600 Freakers?), hier in den USA, die eben alle so mehr so einen sozial engagierten Aspekt von den neuen Computertechnologien gekümmert… gehabt haben. Und das war was, was für mich immer sehr wichtig war. Und Kunst ist ja dann in gewisser Weise ein Auswuchs von diesen, von solchen sozialen Ambitionen.

Interviewer: Was bedeutet es, zu dieser Zeit Mitglied im Chaos Computer Club zu sein? Also du bist da immer nach Hamburg gefahren, bist zu diesem Jahrestreffen gefahren, hast die „Datenschleuder“ gelesen, wie sah da so die Interaktion aus?

Christian Wolff: Ja, ich habe auch in Hamburg gewohnt für ein paar Jahre. Das war, wann war denn das? Das war so um 1986 rum und hatte eben auch Familie dort, die ich in den Jahren vorher schon öfters besucht hatte. Und war da also eben so quasi bei der ganzen ersten Runde dabei vom Chaos Computer Club mit (Paul?) (unv.), Steffen Wernèry und all den ganzen Leuten. … Also da haben wir eben …

Interviewer: Also du bist nicht …

Christian Wolff: Mhm (fragend).

Interviewer: Sprich weiter.

Christian Wolff: Ja, da haben wir eben immer so uns eigentlich wöchentlich oder mehrmals pro Woche getroffen in den Clubräumen und haben über alle möglichen Sachen gequatscht. Und eben so diverse, ja, soziale Aspekte von Computern und Datenschutz und so erarbeitet.

Interviewer: Okay. Also dann warst du schon so ein bisschen jetzt auch jenseits der reinen Anwendung von Technologie so ein bisschen auf die Spur gesetzt. Diese Gruppe Van Gogh TV, hast du mit denen so einen Draht gehabt? Wie gesagt, (unv.) Kunst dann vielleicht doch ein bisschen anders gepolt. Hast du dich da so als Außenseiter empfunden, der immer für (die Kunst so?) zuständig war? Oder wie, ja, was war deine Rolle da?

Christian Wolff: Ja, also in gewisser Weise, ich war ja immer schon ein bisschen nerdy, so, eben ein Computerfreak und von daher eigentlich schon immer irgendwie ein gewisser gesellschaftlicher Außenseiter. Bei Van Gogh TV habe ich mich eigentlich relativ gut eingelebt, aber da war natürlich immer noch so das Element zwischen den Künstlern und den Technikern. Also Salvatore hat mich mehr als einmal einen Kunstverhinderer genannt, wenn ich irgendwie ihm gesagt, dass ja das technisch nicht möglich ist. Und da gab es also immer sehr konstruktive Diskussionen.

Interviewer: Konstruktive oder aggressive?

Christian Wolff: (lacht) Ja, gelegentlich war das auch ein bisschen aggressiv da, der Ton. Aber im Großen und Ganzen waren wir eben eine gute Familie und haben also viele sehr interessante Projekte gemacht. Und das war es auch eigentlich immer Wert für mich. Ich habe das also größtenteils gemacht eben, ja, für diese Projekte. Und an irgendeinem späteren Punkt, das war so dann aber eigentlich, ja, so um die Zeit von Piazza virtuale, habe ich mich dann eben auch quasi als, habe ich dann eben Van Gogh TV quasi als Vollzeitbeschäftigung gemacht. Und das hat dann eben auch die Notwendigkeit ergeben, dass dann Leute wie ich und auch andere dann von irgendwas leben mussten. Und das war eben dann, wo dann Karel und Salvatore hauptsächlich losgezogen sind und Sponsoren gesucht haben, damit wir alle von irgendwas leben konnten und trotzdem noch Vollzeit an diesen Kunstprojekten arbeiten konnten.

Interviewer: Nehmen wir jetzt mal so ganz konkret so ein Modul wie zum Beispiel dieses Musikmodul, wo man zusammenarbeiten konnte. Wie würdest du da denn deinen Input von denen von Künstlerseite beschreiben? Also haben die so eine ziemlich genaue Vorstellung gehabt, wie das funktionieren sollte? Gab es da so eine vage Idee? Ist es vielleicht eigentlich (mehr?) Designwerk?

Christian Wolff: Na ja, das war ja quasi eine Kombination aus Kunst und Technik, also gerade bei diesem Musikmodul. Es fing ja dann damit an, wir haben uns überlegt: „Wie kann jetzt ein Zuschauer ein Musikinstrument bedienen?“ Und dann haben wir gesagt, „Okay. Die haben ja ein Tastentelefon.“ Ich wusste dann also, du kannst diese Tasten eine nach der anderen erkennen und du hast zwölf Tasten. Und der (Manuel Tetzlaff?) als Musiker sprang dann gleich ein und sagte, „Ja, das ist ja dann eine Oktave von einem Instrument mit zwölf Tasten“. Und von da haben wir das dann eben weiterentwickelt. Ich hatte dann dieses Telefoninterface gebastelt, das eben die Telefontasten erkennen konnte, zusammen mit Daniel Haude. Und habe dann eben quasi für jede Taste „drücken“ und „wieder loslassen“ einen Amiga schicken können, wo dann Manuel entsprechende Samples auf jeden Tastendruck gelegt hat. Und wir hatten eben eine Limitation von vier Telefonleitungen. Und das hat dann auch wiederum das Bildschirm-Layout beeinflusst. Dadurch haben wir dann eben einfach den Bildschirm quasi in vier Viertel geteilt und haben dann ein Instrument in jedes Viertel gelegt. Und dann (Michendo?) und Ole haben dann die Animationen gebaut. Für jedes Instrument gab es dann für jede Note eine neue Animation, wie sie in Macromedia-Director gemacht haben. Und das wurde dann eben auch alles auf den Bildschirm gelegt. Und so kam dann eben dies alles zusammen. Und quasi die technische Grundlage und dann eben mit Künstler-Input zu Design, auch Funktionalität und auch sozialer Relevanz.

Interviewer: Also du würdest sagen, es war wirklich ein kollektiver Prozess, wo jeder so eine Rolle, die aber so ein gemeinsam gewünschtes Resultat erbracht hat.

Christian Wolff: Ja, genau.

Interviewer: Und das ist alles in Hamburg entstanden, in diesen Büros, die ihr da hattet und ist dann bei der Documenta zum ersten Mal öffentlich gezeigt worden?

Christian Wolff: Ja. Also nach „Hotel Pompino“ hatten die dann ja dieses Büro oder diesen großen Raum eigentlich in der Koppel in Hamburg gefunden. Und da haben wir dann eben unser Labor aufgebaut, wo wir alles Mögliche an Technologien ausprobiert haben und haben dann eben die Piazza virtuale vorbereitet und die verschiedenen Sendeblöcke uns erarbeitet und sind dann, ja, eigentlich schon, ich glaube, zwei oder drei Monate vor der Documenta schon eben nach Kassel umgezogen mit all dem ganzen Zeug und haben dann da in den Containern weiterentwickelt und alles aufgebaut.

Interviewer: Wenn ich mir so Fotos von diesen Containern, oder es gibt auch so Karten, also so einen Grundriss und so, angucke, das ist ja alles sparsam und sehr mobil und vollkommen schmucklos. Und irgendwie wird dadurch auch so eine Hierarchielosigkeit suggeriert, das erinnert einen so ein bisschen an so ein Start-up von heute. Du hast ja selbst auch in der IT-Branche gearbeitet. Siehst du diese Parallele auch?

Christian Wolff: Ja. Ja, auf jeden Fall. Also das war ja einfach, wir hatten eben quasi Homecomputer und Drähte und haben dann damit gemacht, was wir konnten. Also wir hatten ja zum Beispiel kein Ethernet, um all diese verschiedenen Atari- und Amiga-Homecomputer miteinander zu vernetzen. Die hatten ja alle keine Interfaces dafür. Aber die hatten eine Serial-Schnittstelle. Und dann habe ich dann ein System entwickelt mit einem PC, der eben Serial-Kommandos an die verschiedenen Geräte schicken konnte und auch eben empfangen konnte von allen. So, also quasi ein Computer, der dann als Netzwerk-Hub funktionierte und von allen, die was senden mussten, Kommandos empfangen hat und dann wieder an alle Computer rausgeschickt hat. Und das war eben alles wirklich, ja, wie du auf den Bildern siehst, lose Drähte in den Containern, war eben das, was wir machen konnten.

Interviewer: Also man musste technisch zum Teil sehr kreativ sein und zu neuen Lösungen kommen. Aber bei Start-ups gibt es ja auch so eine gewisse Sozialkultur, dass man halt nicht so gut bezahlt wird, aber dafür größere Freiheiten hat, dass es nicht so große Hierarchien gibt, man auch mal Kicker zwischendurch spielen darf oder nur erst um zwölf kommen muss oder so. Würdest du sagen, dass da auch ein Stück weit vorweggenommen wurde, (diese Sozialkultur?)?

Christian Wolff: Oh, ja. Auf jeden Fall. Also richtig bezahlt wurde ja keiner von uns. Wir haben also wirklich alles aus freien Stücken gemacht und weil es uns interessierte und haben dann eben aus der Notwendigkeit, Miete zu bezahlen, haben wir dann eben Sponsoren gefunden, um dann gerade das Nötigste an Geld zusammenzukratzen und um die verschiedenen Computer zu kaufen. Das war ja damals … Wir hatten eine der ersten Ein-Gigabyte-Festplatten und das war damals schon, also enorm – brauchten wir eben für die ganzen Grafiken. Und das waren dann eben so die größten Ausgaben, die wir dann da hatten. Aber für uns selbst haben wir eben nicht so viel Geld gehabt. Aber haben dann eben auch immer eine gute Zeit gehabt da in den Containern. Da waren ja immer sehr viele Künstler, da waren auch viele andere von den Documenta-Künstlern, die vorbeikamen und sich sehr interessierten, was wir denn dann machten. Und das war also schon eine sehr interessante Zeit.

Interviewer: Dann sind wir auch schon jetzt in Kassel. Du sagst schon, du hast es als gute Zeit in Erinnerung, andererseits stelle ich mir vor, dass es auch stressig, anstrengend gewesen sein muss und dann diese neue, selbst entwickelte Technologie vielleicht auch nicht hundertprozentig funktioniert hat am Anfang. Ja, erzähle einfach noch ein bisschen, wie du das so in Erinnerung hast, auch die Zusammenarbeit.

Christian Wolff: Ja, wir hatten ja haufenweise verschiedene Technologien, die wir alle irgendwie zusammenbringen mussten. Und wir mussten also jede Menge technische Lösungen erfinden dafür. Das gab es ja alles nicht. Zum Beispiel Nick Baginsky hatte da eine komplette Roboterkamera gebaut, die wir dann irgendwie an unser Netzwerk ranhängen mussten, damit dann die Benutzer das per Tasten steuern konnten und durch unser Studio fahren lassen konnten. Ja, das war, wir haben also wirklich durchgängig wochenlang, monatelang, quasi Tag und Nacht gearbeitet. Und, ja, wir hatten zu der Zeit, als wir in Kassel waren, hatten wir da ein Haus in Hannoversch Münden gemietet, wo wir alle geschlafen haben. Aber das war wirklich dann, dass wir da abends dann irgendwie uns von Kassel nach Hannoversch Münden irgendwie bewegt haben mit wer immer gerade ein Auto hatte und dann da paar Stunden geschlafen haben und am nächsten Morgen wieder zurück in die Container und weitergearbeitet haben, bis dann alles irgendwie lief. Und auch während der Sendung haben wir ja ständig Sachen, ja, erweitert oder repariert oder wieder am Laufen gehalten und neue Sachen erfunden. Das war so eine konstante Arbeit da.

Interviewer: Also du hast es offensichtlich nicht als Belastung oder als Stress in Erinnerung, sondern eher als Herausforderung.

Christian Wolff: Ja. Also ich war in meinen frühen 20ern. Kann man noch mal irgendwie Nächte durchmachen.

Interviewer: Und, ja, kannst du vielleicht noch ein bisschen mehr so aus dieser, aus diesem Kasseler Alltag erzählen? Hattest du da (Schichtdienst?)? Was waren da deine Hauptaufgaben? Hast du irgendwelche Erinnerungen? Waren da spektakuläre Ereignisse?

Christian Wolff: Also während der Sendung war ich ja da in dem Kontrollraum. Ich habe also den Rechner bedient, der quasi automatisch zwischen den verschiedenen Sendeblöcken hin und her geschaltet hat. Wir haben da quasi die Reihenfolge der Sendeblöcke vorher einprogrammiert und dann quasi zu bestimmten Zeitpunkten wurden dann die Kommandos an alle rausgeschickt. Das sollte eigentlich alles automatisch laufen. Aber eben weil das alles so zusammengestückelt war, musste ich quasi immer auf alles noch draufschauen und da ständig dabei sein. Also während der Sendung hatten wir dann eben meistens entweder Karel oder Benjamin, die eben quasi die Sendung geleitet haben. Wir hatten eine Zensorin von 3Sat da sitzen, die dann gesagt hat, was wir machen konnten oder nicht. Und ich habe da eben an dem Kontrollrechner gesessen und den Ablauf der Sendeblöcke gesteuert und noch verschiedene andere Rechner am Laufen gehalten. Die stürzten natürlich immer mal wieder ab und mussten dann neu gestartet werden. Ja, das waren so, das waren eben so während der Sendung. Und dann zwischen den Sendungen haben wir meistens da irgendwie, wenn wir Zeit hatten, da im Hof zwischen den Containern gesessen und gequatscht und irgendwas gegessen. Und da war also immer irgendwas los. Und dann abends auch öfters noch Party und diverseste andere Sachen, die dann eben während der Documenta da liefen.

Interviewer: Die Rolle dieser Zensorin scheint jeder so ein bisschen anders in Erinnerung zu haben. Die haben wir auch schon interviewt, die Katrin Brinkmann. Wenn du jetzt so an die Gespräche dich erinnerst, die da so entstanden sind, hast du so das Gefühl gehabt, hat man hier so wirklich so eine neue Plattform für Kommunikation entwickelt? Oder wie ist dir das überhaupt in Erinnerung? Oder hast du da (unv.)?

Christian Wolff: Wir haben ja quasi da einen Kanal für den Zuschauer zu einem Broadcast-Medium aufgemacht. Das heißt, jeder konnte von seinem Haus, zu Hause, was er wollte, bei uns auf den Kanal geben. Und das war natürlich … 3Sat fand das alles ein bisschen bedenklich. Und da gab es dann auch Leute, die dann eben geflucht haben oder Ähnliches, was eben im Fernsehen nicht unbedingt erlaubt ist. Und da haben wir dann eben auch eben nach ein paar Tagen dann einen Zensurknopf eingerichtet, wo wir dann eben Leute mit wieder aus der Telefonleitung werfen konnten. Und das wurde eben dann alles auch eben, ja … Die Katrin hat das eben immer, hat quasi den Sichtpunkt von 3Sat da vertreten in unseren Technikentwicklungen und Kunstentwicklungen.

Interviewer: Du kamst vom Chaos Computer Club her und von diesen Mailboxen. Hast du das so als eigentlich nicht legitime Einmischung empfunden? Oder hast du das auch eingesehen, dass (unv.) im Fernsehen (zeigst?) auch, du bist …

Christian Wolff: Ja, ich war natürlich da so ein bisschen, ja, sagen wir mal, anarchisch veranlagt. Und wir haben auch immer versucht, ja, sie umzustimmen, wenn sie dann irgendwo Bedenken hatte. Wir haben natürlich versucht, irgendwie unsere Freiheit zu erhalten und, ja, wir hatten eigentlich so mehr generelle Bedenken gegen Zensur, aber ich sah das dann eben schon ein, dass das eine Notwendigkeit war. Und mit Katrin kamen wir auch alle persönlich recht gut aus.

Interviewer: Hattest du da irgendwann so das Gefühl, so „Boh! Wir haben das Fernsehen geknackt. Wir haben da irgendwie so einen Rückkanal eingeführt, der eigentlich nicht da sein soll oder eigentlich im Medium nicht angelegt ist“? Gab es da mal so einen, wie soll ich sagen, so einen Triumph?

Christian Wolff: Ja, auf jeden Fall. Das war ja das grundlegende Konzept von der Piazza virtuale, dass wir eben das Massenmedium Fernsehen für das Individuum eröffnen wollten. Dass eben quasi jeder Content auf ein solches Massenmedium beitragen kann. Und, ja, das war schon, also das hat uns schon stolz gemacht, dass wir das hingekriegt haben und dann eben auch 100 Tage lang über ganz Europa.

Interviewer: Und würdest du sagen, jetzt so im Nachhinein betrachtet, das Unternehmen war ein voller Erfolg? Oder gibt es da auch Sachen, wo du jetzt kritischer draufguckst?

Christian Wolff: Ja, da gab es natürlich immer mal auch Probleme. Und auch irgendwie die vier Hauptkünstler da haben sich auch öfters mal, hatten da eben konzeptionell unterschiedliche Vorstellungen. Aber so im Großen und Ganzen, würde ich sagen, das war schon ein sehr großer Erfolg. Und wir hatten auch haufenweise Fans, die auch immer wieder angerufen haben. Wir haben ja sogar es einmal geschafft, dass Telefon jetzt von Kassel lahmzulegen. Wir hatten so viele Anrufe, dass die Vermittlungsstelle abgestürzt ist. Also wir hör… Auf einmal hörten dann alle Anrufe au… Alle Anrufer waren gedroppt und kein Telefon klingelte mehr. Und dann ein paar Minuten später klingelten auf einmal alle Leitungen und nicht nur bei uns, sondern wir hörten auch aus den Fenstern drumrum, von den Wohnhäusern, auf einmal alle Telefone klingeln. Ja, das also schon, also das zeigt also schon, wie viel Zuschauerzufluss wir da hatten.

Interviewer: Kam da dann auch mal die Telekom vorbei und hat nach dem Rechten geguckt, was das da für Leute sind, die solche Störungen auslösen können?

Christian Wolff: (lacht) Ja, natürlich. Die waren natürlich auch neugierig, warum jemand in so einem Container da irgendwie 30, 40 Telefonleitungen braucht. Und die haben die aber alle schön ordentlich, eine Dose neben der anderen auf einer Holzplatte installiert in dem Container, so richtig schön, per amtlich, Deutsche Post und haben uns dann auch unsere Sachen machen lassen.

Interviewer: Aber ihr habt da auch nicht bewusst versucht, die Technologie zu missbrauchen oder der Telekom da Streiche zu spielen oder die Technik irgendwie auf eine Art und Weise einzusetzen, die die Telekom nicht so gerne (Ton weg)?

Christian Wolff: Nein. Also unsere Sachen waren natürlich, alle selbst gebastelt, gar nicht zugelassen. Aber die haben eben am Telefonnetz wie normal funktioniert. Das ist ja wirklich nur Klingeln und dann Abnehmen und dann Audioübertragung in beide Richtungen. Und da haben wir also nichts Außergewöhnliches oder Verbotenes mit den Telefonleitungen gemacht.

Interviewer: Aber das kann man sich heute natürlich gar nicht mehr vorstellen, dass es mal eine Zeit gegeben hat, wo alles, was in eine Telefonbuchse eingestöpselt werden musste, von der Telekom genehmigt werden musste.

Christian Wolff: Ja, das war ja zum Glück zu der Zeit grade irgendwie am Auslaufen, das Modell. Wir hatten ja auch einige gute Geräte da. Also zum Beispiel hatten wir dieses Panasonic-Bildtelefon. Ich habe hier noch ein paar davon. Das hat man einfach hinten in die Telefonleitungen mit quasi eingespeist, also zwischen die Telefondose und das Telefon gehängt. Und da konnte man dann also Standbilder, wie zum Beispiel dieses, dann über die Telefonleitung übertragen. Dauerte zwar ein paar Sekunden, und in der Zeit konnte man auch nicht miteinander reden, aber das funktionierte alles.

Interviewer: Also da ist Skype natürlich schon ein bisschen avancierter, aber letztlich ist es ein Vorläufer davon.

Christian Wolff: Ja. Auf jeden Fall. Ja, das ist ja wirklich, das Internet hat dann ja wirklich diese ganze User-Interaktion wirklich dann richtig groß rausgebracht. Und das war ja quasi dafür konzipiert, dass jeder mit jedem kommunizieren konnte. Wobei das Internet natürlich auch immer noch Probleme mit dem Broadcastsystem hat. Also es sind ja immer noch im Internet alles Eins-zu-Eins-Verbindungen und nicht von einem zu vielen. Und das war eben was, was wir wirklich bei dem System vor 25 Jahren also schon anders technisch gelöst hatten. Dadurch, dass wir eben von eins zu eins Telefonverbindungen als Eingang dann auf eine Satellitenverbindung als Ausgang gegangen sind und dadurch das dann eben in ganz Europa verbreitet haben. Und das ist ja was, was das Internet immer noch nicht richtig kann.

Interviewer: Gut, das wäre so, das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Wo habt ihr was vorweggenommen, was heue ein Stück weit Netzkultur oder Alltag im Internet ist? Was würdest du sonst noch sagen, was sind so technische aber auch kulturelle, soziale Errungenschaften, die da vorweggenommen worden sind?

Christian Wolff: Ja. Wir waren halt wirklich eines der ersten Projekte, wo Zuschauer wirklich komplett eigenen Content auf den Fernseher bringen konnten und nicht nur irgendwie als Stichwortgeber funktionierten, wie bei vielen anderen (Sendern?) die dann nach uns kamen. Also das war, glaube ich, das würde ich schon sagen, das war eine der größten Errungenschaften, die wir da hatten.

Interviewer: Jetzt gab es ja für Van Gogh TV oder für diese Sendungen auch diesen (Spot?) von dem „Hallo TV“, dass, als die so angerufen haben, einen Schreck bekommen, dass die wirklich im Fernsehen waren und gleich wieder aufgelegt haben. Das ist ja erst mal nicht so eine richtige virtuelle Gemeinschaft gewesen. Oder siehst du das anders?

Christian Wolff: Ja, es war eben eine gewisse Gewöhnungszeit. Aber eben wie gesagt, wir hatten unsere Fans, die dann auch immer wieder angerufen haben und dann ihre eigenen, ja, eben, auch Kommunikationsangewohnheiten entwickelt haben im Lauf der Zeit. Gab es da immer wieder welche, die dann irgendwie mit dem „Hallo“ anfingen, aber irgendwann haben sich dann auch richtige Unterhaltungen entwickelt. Besonders in dem Café-Segment, wo eben Leute einfach miteinander quatschen konnten per Telefon.

Interviewer: Gut. Das waren so einige der Errungenschaften. Heute sind ja viele dem Internet oder den sozialen Medien gegenüber auch wesentliche kritischer eingestellt und sehen das so als so eine Plattform für Trolle und Leute, die sich da austoben wollen und Shitstorms lostreten und Leute provozieren. Siehst du so was auch schon ein Stück weg vorweggenommen bei Piazza virtuale?

Christian Wolff: Ja, da gab es auch viel Kritik an eben genau diesem „Hallo“, und wo Leute fanden irgendwie, dass die Unterhaltung wirklich sehr blöde war oder dass alles nicht unterhaltsam war. Also wir haben da schon auch viel solche Kritik gehört von Zuschauern. Und das kam dann auch teilweise eben halt bei 3Sat an und dann über 3Sat bei uns. Das ist eben nicht für jeden was Interessantes. Aber das ist ja einfach gerade das Schöne dadran, dass du eben individuelle Geschmäcker hast und dass dann eben bei so was dann auch sich rausentwickeln kann.

Interviewer: Und dann gab es auch mal Fanclubs, die so begeistert waren, dass die auch nach Kassel gekommen sind. Kannst du dich daran erinnern?

Christian Wolff: Ja, so einige von unseren Fans haben es ja wirklich auch zu verschiedenen Partys, die wir dann geworfen haben, auch geschafft. Und (ein paar?) haben wir dann auch kennengelernt. Das war also schon, ja, also eine gute Erfahrung, also so einfach so persönlich zu sehen, was wir für Leute bedeuten.

Interviewer: Nach Piazza virtuale ist das Ganze ja so ein bisschen auseinandergegangen. Du hast dich dann doch quasi Richtung richtiger Job orientiert. Kannst du da auch was sagen, warum hast du es nicht weiterverfolgt?

Christian Wolff: Ich war ja noch bis 1997 bei Ponton-Lab. Wir haben ja dann noch diverseste andere Projekte gemacht. Wir hatten ja danach die Area, wo wir quasi ein 3D-Computer-Kommunikations-Environment gebastelt haben. Das hatte ich damals noch in Turbo Pascal auf MS-DOS programmiert. Und Leute konnten ihre eigenen Avatare basteln und konnten in dem 3D-Raum rumfliegen und sahen sich gegenseitig auf ihren Bildschirmen und konnten dann auch per Text miteinander reden. Das war dieses Service-Area-Projekt. Das haben wir also, wann war das, zwischen 1994 und 1996 oder so gemacht. Und da haben wir also schon … Das waren also schon auf jeden Fall mehr auch ein Vorläufer von Internet, ja, eben so Videospielen, wo Leute miteinander Sachen machen konnten. Und dann aber 1997 hatte ich dann eben mich auch nach einem anderen Job umgeguckt. Ich habe dann eine Zeitlang bei Spiegel Online gearbeitet als Webdesigner.

Interviewer: Warum?

Christian Wolff: Und bin dann Ende 1997 in die USA gekommen.

Interviewer: Aber warum hast du dir einen anderen Job gesucht? Hatte das finanzielle Gründe oder hatte sich das auch vielleicht künstlerisch erschöpft.

Christian Wolff: Ich hatte ja zu der Zeit in Hamburg gewohnt und wir hatten eben … das Ponton-Lab war dann eben in Hannover. Das wurde mir dann irgendwann mit dem ganzen Herumgereise zu viel. Ich habe eine Zeitlang versucht, in Hannover zu wohnen. Aber das wurde mir dann auch zu blöd. Und da habe ich mich eben immer mehr so in Richtung Hamburg orientiert und habe mich dann so aus Ponton so ein bisschen zurückgezogen. Und dann haben sich ja auch die, so Karel, Benjamin und Salvatore, und Mike war ja dann schon fast gar nicht mehr dabei, haben sich alle auch so ein bisschen auseinandergelebt. Karel hatte ja dann das Projekt zur Olympiade in Atlanta gemacht, Benjamin und Salvatore haben dann nach wie vor das Ponton-Lab in Hannover gemacht. Und, ja, und ich hatte dann eben auch über Ponton Kontakt zu einem Künstler hier in San Francisco bekommen, der mich dann eingeladen hatte, hier für ein Jahr lang an einem interaktiven Videostudio für ein Kindermuseum zu arbeiten. Das war das Museum, das hier 1998 eröffnet wurde. Und in der Zeit hatte ich dann eben auch meine jetzige Frau kennengelernt und ich bin dann quasi hier in den USA geblieben, in San Francisco. Hat sich einfach mein Leben anders entwickelt.

Interviewer: Wenn du jetzt mal so resümieren wolltest, was für einen Einfluss hat da Van Gogh TV für dein Leben und dann die Entwicklung deines Lebens (Tonstörung)

Christian Wolff: Einen sehr großen Einfluss. Also auf jeden Fall, das technische Know-how, das ich dann durch diese ganze, durch das ganze Projekt gekriegt habe und auch durch die anderen Ponton-Projekte, dadurch, dass wir da so viel erfinden mussten und improvisieren mussten und so, das hat also mir sehr geholfen, mit meinen Programmier- und Elektronikkenntnissen. Und das hat sich dann ja auch … Das habe ich dann auch alles sehr gut bei meinem Job hier einbringen können. Ich habe ja über zehn Jahre lang bei Sigma Designs an Video-Prozessoren gearbeitet. Also das sind quasi die Audio-Video-Dekoder-Chips, die so in Videoplayer und Set-Top-Boxen reingehen. Da habe ich also viel mit Video- und Audio-Dekodern und Eingängen und Ausgängen und so weiter gearbeitet. Und darüber bin ich dann eben auch jetzt vor fünf Jahren an meinen Job hier bei den Dolby Laboratories gekommen, wo ich an so Sachen wie Dolby Atmos arbeite.

Interviewer: Und vermisst du das manchmal vielleicht auch so? Bei Van Gogh TV hattest du ja doch noch so mehr generalistische Möglichkeiten. Also da hat man dann Sachen produziert, die man einfach nur einfach direkt gesehen hat. Das ist bei Dolby Atmos vielleicht nicht unbedingt so der Fall, dass hört man dann eher unbewusst im Kino, die technischen Details und Feinheiten, die du da beigetragen hast. Ja.

Christian Wolff: Ja, auf jeden Fall. Also ich vermisse schon diese ganzen (unv.) Kunstaktionen und, ja, eben einfach so mit vielen Leute bei solchen Aktionen mitzumachen. Das ist natürlich was, was man mit so einem mehr Industriejob nicht ganz so hat. Also nicht, dass wir keinen Spaß haben oder Ähnliches, aber das sind eben hier nicht solche außergewöhnlichen Kunstprojekte. Und es ist aber schon, also für mich doch auch befriedigend, zu wissen, dass also mein Code in Millionen von Geräten steckt und da täglich seinen Dienst macht. Das ist also auch was, was mich gewisser Weise befriedigt.

Interviewer: Aber diese künstlerisch etwas chaotischen Arbeitsbedingungen bei Van Gogh TV haben also bei dir nicht den Wunsch direkt ausgelöst, ein stärker strukturiertes Arbeitsumfeld zu haben, sondern das ist einfach Teil von so einem Industriejob, den man akzeptieren muss.

Christian Wolff: Ja, das war so mehr so eine Notwendigkeit. Also ich würde schon auch gerne mal wieder so etwas Chaotischeres machen. Hat sich nur eben in den letzten paar Jahren nicht unbedingt ergeben. Ich habe eine Zeitlang hier in San Francisco beim Exploratorium gearbeitet. Das kam also dem auch am nächsten, dieser ganzen Arbeitsweise von Van Gogh TV.

Interviewer: Okay. – Ach, so, hast du mit anderen Mitgliedern von Van Gogh TV, hast du noch so direkt Kontakt oder ist das ein bisschen eingeschlafen?

Christian Wolff: Ja, also mit Benjamin kommuniziere ich noch gelegentlich. Ole ist ja hier auch in San Francisco, aber zu ihm habe ich ein bisschen den Kontakt verloren seit er eben auch Kinder hat. Ich selbst habe keine Kinder. Und, ja, eben so gelegentlich auf Facebook oder per E-Mail sind wir eben noch in Kontakt. Und dann eben Daniel Haude, den ich jetzt schon lange vor Van Gogh TV kannte. Wir haben uns schon seit Grundschulzeiten gekannt.

Interviewer: Was hatte der für eine Rolle bei Van Gogh TV?

Christian Wolff: Der hat an der Elektronik mitgeholfen. Ja, den hatte ich also da mit bei Ponton mit reingebracht, um eben mit ein paar von diesen, insbesondere Telefonsachen zu helfen. Und da hat er eben auch viel rumgebastelt.

Interviewer: Wen würdest du denn als Gesprächspartner noch empfehlen, aus deiner Erinnerung der Menschen, die da beteiligt waren (unv., schlechte Telefonverbindung) Van Gogh TV (unv., schlechte Telefonverbindung)?

Christian Wolff: So für einen Gesamtüberblick oder wofür?

Interviewer: Generell. Wer könnte interessante Beiträge (unv., schlechte Telefonverbindung)?

Christian Wolff: Also ich würde mal sagen, so, den besten konzeptuellen und Gesamtüberblick würde ich sagen, Benjamin Heidersberger.

Interviewer: Ja, die kommen natürlich sowieso vor, aber vielleicht waren da auch so Charaktere dabei, die man einfach mal gerne vor der Kamera hätte.

Christian Wolff: Fällt mir jetzt nicht so direkt ein. Ich weiß nicht, habt ihr Arnhild schon interviewt, unsere langjährige Sekretärin?

Interviewer: Nein. Wie heißt die?

Christian Wolff: Ja, die wäre vielleicht noch jemand, der so eben so ein bisschen als Außenstehende jeden Tag gesehen hat, was wir da so in Hannover gemacht haben. Das war eben alles aber erst nach der Piazza virtuale.

Interviewer: Arnhild?

Christian Wolff: Das war eben während der Zeit in dem Leibniz-Gebäude in Hannover.

Interviewer: Gut. Dann bedanke ich mich recht herzlich, dass du … Ich weiß nicht, stehst du immer so früh auf? (lacht) Oder hast du das jetzt nur für uns gemacht? (lacht)

Christian Wolff: Nein, nein.